aktualisiert am:

6.6.2011

 

 

 

 

 

 

 

 

“Isaac Maurice” als Mitarbeiter beim Dänischen Roten Kreuz

Hallo! Ich bin Isaac Maurice vom Olymp, eine Franz. Bulldogge und lebe in Aabenraa in Dänemark, einer Stadt in der Nähe der Deutschen Grenze, und ich möchte ein wenig von meinen Alltag hier in Dänemark erzählen.

Selbstverständlich habe ich Pflichten. So muss ich den Staubsauger (mit viel Radau) jagen, wenn Vati oder Mutti sauber machen wollen, ebenso unsere Besen. Darin bin ich sehr gut! Die Nachbarskatze muss aus meinen Garten gejagt werden, und das Brot für die Vögel darf auch nicht zu alt werden, weshalb ich das lieber vorher esse. Außerdem sorge ich dafür dass mein Papi reichlich Bewegung bekommt - aber nur, wenn die Sonne scheint! Wenn es regnet, darf er alleine laufen, denn Regen und Kälte mag ich nicht so gern.

Ursprünglich komme ich aus Krumbeck in Deutschland, wo ich viele Verwandte habe.

Ich habe schon fleißig Dänisch gelernt, z.B.: "Så er der mad" (Essen ist fertig.) - "Skal du have en lille godbid?" (Möchtest Du ein Leckerli?) - "Skal vi gå en tur?" (Willst Du spazieren gehen?“) usw. Aber ein dänisches Wort liebe ich am meisten, und zwar das Wort "Butik" („Geschäft“). Wenn ich Mutti höre das Wort "Butik" ausspriechen höre, werde ich ganz "Tatütata". Und damit beginnt die Geschichte, die ich erzählen will.

Meine Mutti ist ehrenamtliche Mitarbeiterin beim Roten Kreuz. Dort werden gebrauchte Sachen sowie Möbel und Kleider zugunsten armer Leute auf der ganzen Welt verkauft, und ich darf sie oft zur Arbeit begleiten.

Wenn es Zeit ist, zur Arbeit zu gehen, kann ich nicht schnell genug dahin kommen. Ich darf die letzten 100 Meter ohne Leine laufen, und ich bin immer als Erster an der Eingangstür und springe heulend an ihr hoch: "Mutti, Mutti, mach auf, der Türgriff ist mir zu hoch".

Wenn ich bei der Arbeit bin, habe ich, wie die anderen Angestellten, mein eigenes Namenschild mit dem Logo vom Roten Kreuz, damit die Kunden wissen, dass ich offiziell dazu gehöre. Von meinen Kollegen werde ich  "Bodyguard" genannt, und ich spaziere im Geschäft herum und sage „Hallo“ zu den Kunden.

Ich bekomme viele Streicheleinheiten, und wenn die Kunden näher kommen, lege ich mich auf meinen Rücken, und mache verschiedene Geräusche. "Oh, ist der aber lieb!" sagen die meisten dann. Die Kunden sagen auch, dass ich trotz meines Aussehens überhaupt nicht gefährlich bin. Meine Mutti erklärt dann immer, dass ich kein Kampfhund, sondern ein perfekter Familienhund bin, und dass ich mich mit anderen Hunde gut vertrage und gern mit Kindern spiele.

Unter dem Tisch habe ich meinen eigenen Platz. Wenn Kunden kommen, gucke ich mal raus, um mir diese anzusehen. Wenn es vorkommt, dass jemand vor mir Angst hat, sagt Mutti zu mir, dass ich auf meinen Platz bleiben soll. Und dass tue ich dann auch - ich bin ja gut erzogen. Wenn verdächtige Kunden uns besuchen, gehe ich meine Runde und sehe zu, dass alles in Ordnung ist und bleibt.

Ein Kollege von mir, er heißt Hashem, stammt aus einem fernen Land, in dem Unruhe und Krieg herrschen. Anfangs hatte er Angst vor mir, aber ich habe mich langsam eingeschmeichelt und darf jetzt in der Kaffeepause auf seinen Schoß sitzen. Und er gibt mir dann ein Leckerli.

Ich habe übrigens meine eigene Leckerlidose, denn meine Mutti sagt, dass Kekse für mich nicht gut sind. Alle meine Kollegen und auch die Kunden wissen, dass sie mir aus meiner Leckerlidose manchmal etwas geben dürfen.

Wenn ich ausnahmsweise nicht mit zur Arbeit bin, fragen die Leute nach mir. Sie fragen: „Wo ist euer kleiner Bodyguard heute?“ Man merkt, dass die Kunden erwarten, dass ich anwesend bin, und enttäuscht sind, wenn ich einen freien Tag habe.

Wenn wir neue Ware bekommen, helfe ich beim Sortieren. Es kommt vor, dass zwischen den Sachen auch Teddybären sind. Ich liebe Plüschsachen. An die mache ich mich sofort ran, bevor meine Kollegen eingreifen können, und dann renne ich schnell damit weg. Deshalb habe ich auch viele Teddybären bei mir zuhause.

Um 17.00 Uhr ist Feierabend. Und wenn ich wieder zuhause bin und gegessen habe, lege ich mich auf auf das Sofa auf meinen Lieblingsplatz. Dann träume ich vom schönen Tag als freiwilliger Helfer beim Roten Kreuz  und erlebe alles, was an dem Tag so passiert  ist, noch einmal.

Es gäbe noch viel zu erzählen, was ein Bully beim Roten Kreuz so alles macht, aber dann würde diese Geschichte zu lang.

Viele Grüße von

Isaac aus Dänemark